Web Coaching: was haben Pinguin und Panda mit dem Erfolg im Web zu tun?

Pinguin und Panda – diese zwei Tiere haben das Web kräftig durcheinandergerüttelt: das sind zwei Updates in Googles Berechnungen, die die Position von Websites in den Ergebnislisten bestimmen. Mit diesen Neuberechnungen versucht Google zur Zeit, trickreich gestaltete „SEO-Sites“ von sinnvoll und und inhaltlich wertvollen Webangeboten zu scheiden. Das führt zu großer Unsicherheit in den Rankings und erzeugt bei den professionellen Suchmaschinenoptimierern riesige Fragezeichen.

Man kann sich das so vorstellen: wenn der Gartenteich langsam zum Tümpel wird, muss man irgendwann den Schlamm rausschaufeln. Dadurch mischt man das vorher durchsichtige Wasser mit dem Moder aus der Tiefe, alles fließt munter durcheinander. Das ist in etwa die Situation, die Sie heute in den Suchergebnislisten von Google vorfinden.

Google vermittelt etwa 90 Prozent aller Suchanfragen. Deshalb kann es Website-Anbietern völlig egal sein, was in Bing oder Yahoo passiert – 90 Prozent der Besucher werden über Google vermittelt. Am 25.4.2012 rollte Google das so genannte „Penguin-Update“ aus. Dadurch ergaben sich massive Veränderungen in den Ergebnislisten, viele sehr erfolgreiche Websites wurden „abgestraft“, um 100 und mehr Positionen nach hinten verlegt oder gar vollständig aus dem Google Index entfernt. Das traf sowohl rein „SEO optimierte“ Sites, als auch bekannte Seiten wie etwas „sportschau.de“.

Vor allem bei so genannten „Money Keywords“, also Suchbegriffen, die ein Kaufinteresse des Internet-Users vermuten lassen („günstige Krankenversicherung“ oder „Gebrauchtwagen“), wurden hier stark betroffen; Webseiten, die über Jahre auf diese Begriffe optimiert waren und auf guten, klickstarken Positionen rankten, sahen sich plötzlich von ihren Nutzern völlig abgeschnitten. Wo am 24. April noch tausende Kunden einliefen, herrschte am 26.4.2012 gähnende Leere.

Am Anfang war der Page-Rank

Der „Page-Rank“ wurde von Larry Page und und Sergei Brin an der Stanford University entwickelt. Er war Auftakt und Grundlage zum gewaltigsten Unternehmenserfolg im Web: Google. Der Page-Rank bewertet Websites nach eingehenden Links und machte es möglich, erstmals das „Gewicht“ von Seiten im Internet rechnerisch zu bestimmen. Je mehr Links auf eine Seite führen, desto höher wird ihr Page-Rank Wert; und linkt eine „schwere“ Seite auf eine leichtere, hebt sie deren Gewicht an.

Diese Berechnung, verbunden mit immer ausgeklügelteren Inhaltsanalysen, machte die Suchergebnisse von Google so relevant und wertvoll, dass sich inzwischen fast jeder Internet-Nutzer auf diese Suchmaschine verlässt.

Gleichzeitig entstand ein neuer Berufsstand: der „SEO“, ein „Suchergebnisoptimierer“. Man analysierte die Vorgänge in Googles Rechenzentren und entwickelte Strategien, um bei den Suchergebnissen möglichst schnell weit oben zu stehen.

Suchergebnisse, Rankings und das große Geld

Dazu muss man wissen: der Nutzer ist bequem. Wohl liefert Google auf bestimmte Suchworte tausende, wenn nicht Millionen Ergebnisse. Aber knapp 50 % der Nutzer klicken auf das erste Ergebnis ihrer Suchanfrage, 25 % auf das zweite, 10 % auf den dritten Link; und auf die zweite Seite, also das „o“ von Google am Fuß der Liste, klicken bereits weniger als 2 % der Nutzer.

Google selbst unterstützte die Arbeit der „SEO“s mit vielerlei Daten und Tools; so ist es möglich, die Anzahl von Suchanfragen auf bestimmte „Keywords“ relativ genau abzufragen, und auf diese Weise Geschäftsmodelle aufzubauen.

Konfektioniert man eine Website so, dass sie bei einem Suchwort, das hunderttausendmal im Monat bei Google eingegeben wird, an erster Stelle in den Suchergebnissen steht, kann man rein statistisch mit knapp 50.000 Besuchern rechnen. Das in Verbindung mit geschickt eingesetzter Bannerwerbung und passenden Produktangeboten kann tausende Euros in die Tasche des Betreibers fließen lassen. Dabei kommt es wohlgemerkt nicht in erster Linie darauf an, dass der Inhalt tatsächlich sinnvoll und relevant ist – es geht allein um die Position in den Suchergebnissen.

Ursprünglich galt es, den Page-Rank zu stärken, um bei den gewünschten Keywords „oben“ zu stehen. Das führte in den letzten Jahren zu einer „Linkindustrie“. „Linkaufbau“ wird anhand genauer Berechnungen über Dienstleister organisiert, die für mehr oder weniger Geld mehr oder weniger gute Arbeit leisten. Praktische „Linkpakete“ kann man mieten oder kaufen; Billigangebote aus Indien oder China runden diese Leistungen preislich nach unten ab.

Damit war der „Page-Rank“ ad absurdum geführt. Jeder, der eine Website betreibt, weiß, wie lange es dauert, bis „freiwillig“ von anderen Nutzern gesetzte Links eintreffen. Also widmet sich der erfahrene Webmaster dem „Linkaufbau“; und erzeugt damit selbst Relevanz für seine Seite.

Google – ein Verzeichnis für SEO’s?

Jahrelang fanden sich bei allen relevanten Suchbegriffen SEO-optimierte Seiten auf den ersten Positionen – darunter auch viel „Aggregatoren“. Deshalb führte Google 2011 das „Panda Update“ (nach Navneet Panda, einem Google-Programmierer benannt) ein, das vor allem Websites mit automatisiert zusammengefügtem Inhalt (Preisroboter, Frage-Antwort Kataloge, Wikis, Shopping Portale, Presseportale etc.) drastisch abwertete.

In der Folge kam der Begriff vom „Quality Content“ auf: Inhalte müssen einzigartig sein und die „Experience“ des Nutzers anheben; es darf nicht zuviel Werbung auf einer Website geben – und die Verteilung der relevanten Suchworte muss innerhalb bestimmter Grenzen bleiben. Wohlgemerkt: betreiben Sie eine Website zum Thema „Bananen“, dann sollte diese Site natürlich auf eben dieses Keyword optimiert sein; „gelbe Früchte“ sucht kein Mensch. Also sollte das Suchwort „Banane“ sowohl im Domainnamen („gute-bananen.de“), im Titel, in den Untertiteln sowie im Text vorhanden sein – erfahrene SEO’s errechneten Wortanteilswerte innerhalb der Texte von ca. 3 %. Das ist für den Normalmenschen schon unerträglich zu lesen, für Google scheint es gerade recht zu sein.

Im April dieses Jahres wurde mit dem berüchtigten „Penguin Update“ dann das „Linkbuilding“ angegriffen. Google unterscheidet hier „natürliche“ von „unnatürlichen“ Links. Wahrscheinlich (hier wird noch geforscht) sieht Google den Unterschied zwischen natürlich und unnatürlich an der Geschwindigkeit des Linkaufbaus, an der thematischen Sinnhaftigkeit der verlinkenden Seite – und an den Worten, an denen der Link angehängt ist. „Hier finden Sie Bananen“ wäre etwa unnatürlich, „Hier finden Sie Bananen“ natürlich.

Im Mai kam noch ein Update des „Panda“s dazu, der zu erstaunlichen Ergebnissen führte: je mehr SEO-optimierte Sites „nach hinten abgewertet“ oder gar völlig aus den Ergebnislisten verbannt wurden, desto mehr Moder stieg aus dem Tümpel. Denn unter der Spitze des Internet-Müllberges befindet sich eine geradezu unermessliche Menge weiteren Mülls … und dieser zeigt sich nun in den „Serps“, den Suchergebnissen.

So werden Ihnen bei Google Suchanfragen heute durchaus völlig irrelevante Treffer angezeigt – etwa unbeantwortete Forenbeiträge aus 2003, sinnlose „Gute Frage“ Antworten oder gar völlig leere Seiten aus der Google-eigenen Blogger-Welt.

Zwei Dinge hat Google damit bewiesen: erstens sind nicht alle SEO-optimierten Seiten schlecht – ich würde sogar vermuten, dass heutzutage fast alle „guten“ Sites SEO optimiert sind. Und zweitens: es gibt bei weitem mehr Müll im Web, als wir jemals vermutet hätten. Google macht ihn mit seinen verunglückten Updates nun sichtbar.

Keywords „springen“, die Unsicherheit wächst

Google rechnet seine Suchergebnisse zur Zeit neu. Das führt dazu, dass die Rankings von Websites zu vielen Keywords „springen“; teilweise geht das innerhalb von 24 Stunden – mal steht die eigene Website ganz oben, dann wieder in tiefster Dunkelheit jenseits von Gut und Böse. Das ist keine Basis, auf der man arbeiten kann.

Auch ich habe auf meiner eBook-Site xtme.de beide Updates gespürt – Positionen, die seit Monaten gefestigt schienen, verschwanden über Nacht und kehrten auf unerklärliche Weise wieder zurück. Konkurrenten, an die man sich schon gewöhnt hatte, verschwanden völlig, und neue, teilweise extrem optimierte und völlig belanglose Websites tauchten auf vorderen Positionen auf. Damit einher ging natürlich eine beispiellose Schwankung bei den Besucherzahlen.

Wie wappnet man sich gegen solche Unsicherheiten bei der größten Suchmaschine?

Die Lösung heißt: verlassen Sie sich nicht auf Google, es gibt genügend starke Konkurrenten, die für gute Besucherströme garantieren.

Bei xtme.de konnte ich in den letzten zwei Monaten weiter wachsen – von ca. 600 Besuchern am Tag auf etwa 800 aktuell. Dabei ging der Anteil des Google-Traffics kräftig zurück – ich verzichte inzwischen auf jegliche Keyword-Optimierung und lasse auch das „Linkbuilding“ fast völlig weg. Wenn Google keine SEO’s mag, soll mir das recht sein.

Lag der Google Anteil bei xtme vor drei Monaten noch bei ca. 50 % aller täglichen Besucher, sind das heute nur noch knapp 25 %. Dafür stiegen die Besucher von Facebook kräftig an, genauso wie die Zugriffe über Twitter. Und in der Folge auch die Direktzugriffe – denn Social Media bedeutet auch Markenstärkung.

Statt meine Website für irgendwelche Algorithmen anzupassen, spreche ich Menschen über Facebook und Twitter direkt an. Statt meine Site auf „Keywords“ zu optimieren, arbeite ich an der Stärkung der Marke „xtme“. Das ist ganz nebenbei auch das Keyword, das die stärkste Steigerung bei Googles Suchanfragen erfährt. Statt den Experimenten von Google nachzuhecheln, arbeite ich an der Relevanz meines Angebotes.

Das führt nicht nur zu echten Fans meiner Website – sondern hat auch den angenehmen Nebeneffekt, dass die Erlöse pro 1.000 Besucher steigen. Denn zufriedene Kunden sind allemal wertvoller als Zufallsbesucher.

 

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One Response to Web Coaching: was haben Pinguin und Panda mit dem Erfolg im Web zu tun?

  1. Gröls, Marcel 17. Mai 2013 at 20:28 #

    Guter Artikel,

    vielen Dank. Vielleicht aktualisieren Sie ihn irgendwann? Sie haben ja jetzt viel mehr Besucher.

    Beste Grüße, M. Gröls

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